Die Geschichte Prößdorfs

Prößdorf wurde erstmals urkundlich um das Jahr 1413 erwähnt. Bei Sanierungsarbeiten der alten Prößdorfer Kirche im Jahr 1855 wurden Inschriften entdeckt, die auf den Bau der Kirche im Zeitraum um 1360 hinweisen. Demnach sind auch die ersten Häuser von Prößdorf, vermutlich um den Topfmarkt, in dieser Zeit entstanden.
Luftbild Prößdorf
Luftbild Prößdorf
 
Die Vergangenheit Prößdorfs bestimmte vornehmlich das Rittergut. Es steht leider nicht fest, wann und von wem das Rittergut errichtet wurde. Im 15. Jahrhundert war Prößdorf kein selbstständiger Rittersitz, sondern Vorwerk von Breitenhain. Im Mitteldorf lebten die Bauern, die Unfreien wohnten im Kuhwinkel/Kotwinkel. Die Koten besaßen kein eigenes Land, es war ihnen aber gestattet, eine Kuh zu halten.

Schloss PrößdorfIm 16. Jahrhundert waren die Herren von Bünau, später die Herren von Minckwitz und Zeuner und im 19. Jahrhundert der königlich-preußische Hofrat von Tettenborn-Holderrieder, Besitzer des Gutes Prößdorf. Zwischen 1818 und 1866 lag Prößdorfs Glanzzeit. Tettenborn machte das Schlossgelände zum Schauplatz nachempfundener alter Kunstdenkmäler. Der Park, im Volksmund "Lustgarten", wurde für Besucher der Region zur großen Sehenswürdigkeit. Der "Gasthof Prößdorf" und der Gasthof "Zur frischen Quelle" hatten Hochkonjunktur.

pd gasthofSchloss Prößdorf
 
Um die Jahrhundertwende erwarb die Aktiengesellschaft "Phönix" das Rittergut. Im Zuge des aufblühenden Bergbaues fanden die Prößdorfer Arbeit in der Grube. Prößdorf entwickelte sich vom Landarbeiter- zum Bergarbeiterdorf.
Bauerngut Prößdorf
 
 
 
 
                                                   Gasthof Prößdorf
 
 
 
 
 
       Bauerngut Prößdorf
 
Im Jahr 1961 beschloss die Regierung, dass die in 20 und 60 Meter Tiefe unter dem Ort liegende Braunkohleflöze von 9 und 25 Meter Mächtigkeit, abgeschlagen werden sollten. Für die Prößdorfer sollten Ersatzwohnungen gebaut und die Umsiedlung der Einwohner durchgeführt werden. pd sphinx
Dieser Beschluss war ein gravierender Eingriff in das Leben der Dorfgemeinschaft und es bestand kein Grund mehr, historische Bausubstanz und Architekturdetails zu sichern, so dass das Ausräumen von Statuen, Steinsäulen, Schmiedeeisenarbeiten usw. durch die vom Vertreiben aus dem Heimatort bedrohten Einwohner nur verständlich war. Wertvolle Baudetails sind daher für immer verloren gegangen.

                                                                                                                               Sphinx
 
Als der Beschluss zum Abbaggern Prößdorfs aufgehoben wurde, entstanden durch Landverkäufe die Gartenanlagen. Die Eigentümer der Bungalows reisen an den Wochenenden meist aus weiten Entfernungen an, um sich hier zu erholen. Prößdorf wurde 1994 im Zuge der Gebietsreform nach Lucka eingemeindet.

Prößdorf heute

Der Grundriss von Prößdorf ist als typischer Rundling ausgebildet. Um die Otto-Engert-Straße bildete sich der alte Ortskern zeitgleich mit den kleinen Häuschen im "Kuhwinkel" heraus. Teile der Ernst-Thälmann-Straße und der südliche Teil der Hauptstraße wurden als spätere Siedlungserweiterung vorgenommen.
Im alten Ortskern wurden die Grundstücke mit Dreiseitenhöfen bebaut, die typische jüngere Bauform ist der Winkelhof.

Dorfteich PrößdorfDie Landschaft um Prößdorf ist geprägt durch Eingriffe, Schäden und Folgemaßnahmen im Zusammenhang mit dem Braunkohletagebau. Ein Tagebaurestloch ist der heutige Prößdorfer See. Er besitzt eine hervorragende Wasserqualität und ist zum Baden und Angeln geeignet. Der See entstand durch die natürliche Flutung aus verschiedenen Quellen und wird als Badesee genutzt. Er prägt heute wesentlich das Ortsbild und die Struktur von Prößdorf.

pd seeroseDurch das Dorferneuerungsprogramm soll die Entwicklung zur Wohngemeinde unter Berücksichtigung und Einbindung der natürlichen Ressourcen ermöglicht werden.

pd kirche hintenBereits in den letzten Jahren konnte dies umgesetzt werden. Beispiele dafür sind die Seerose als Zentrum des gemeindlichen Lebens und die Kirche, die mit Hilfe von Städtebaufördermitteln saniert wurden.

Heute wird die Kirche als Bürger- und Gemeinedezentrum genutzt. Es finden nicht nur Konzerte statt, sondern - und das ist wohl einzigartig in Thüringen- standesamtliche Trauungen. Diese sind mittlerweile weit über die Grenzen Thüringens bekannt und sehr beliebt.